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Kath. Seelsorgeeinheit in Bietigheim-Bissingen
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Dienstag, 17.09.2019

Katholischer Kirchenchor besucht die Stadt der Fugger und Welser

Katholischer Kirchenchor besucht die Stadt der Fugger und Welser

"Geh aus mein Herz und suche Freud ...", mit diesem bekannten Lied von Paul Gerhardt trat der Kath. Kirchenchor Bissingen-Buch seinen traditionellen Jahresausflug an. Er führte die 42 Teilnehmer am 31. August nach Augsburg, der schwäbischen Großstadt im bayerischen Alpenvorland zwischen den Flüssen Lech, Wertach und Singold.

Unter fachkundiger Führung erkundete die Sängerschar zunächst das Herz der Altstadt. Sie begann am Augustusbrunnen(1594) auf dem Rathausplatz vor dem kolossalen Rathaus im Renaissance-Stil (1615 bis 1624) und dem Perlachturm, dann ging es hinab in das alte Handwerkerviertel am Metzgerplatz, entlang der Stadtmauer, vorbei am Brechthaus und der Barfüßerkirche über die drei Lechkanäle zum Holbeinhaus und schließlich zur antiken Via Claudia Augusta, heute Maximilianstraße, der Prachtstraße Augsburgs, auf der einst die Habsburger Kaiser mit allen Reichsfürsten einzogen, wenn ein Reichstag abgehalten wurde. Dort befinden sich auch die Fuggerhäuser, die Residenz der legendären Kaufmannsfamilie im Stil der Renaissance mit vier Innenhöfen mit Arkaden und Brunnen, das Schätzlerpalais im Rokokostil am Herkulesbrunnen, dem Brunnen der Kaufleute sowie der Merkurbrunnen der Handwerker am Moritzplatz. Ein paar Schritte weiter, am Fuggerplatz, steht das ehemalige Domizil der Welser aus dem 16.Jh., das heutige Maximilianmuseum.

Auf ihrem Fußmarsch erhielt der Gruppe eine Fülle von Informationen über die Geschichte der Stadt sowie Land und Leute. Im Jahr 15 vor Chr. war Augsburg noch ein römisches Heerlager und Provinzhauptstadt der Provinz Rätien (Augusta Vindelicum), später Bischofssitz, dann freie Reichsstadt mit eigenem Satzungsrecht (1276) und ein blühendes Handelszentrum an der Kreuzung dreier Fernstraßen. Unter dem Einfluss der Kaufmannsfamilien Welser und Fugger, die den damaligen Welthandel im 15. und 16.Jh. kontrollierten und zu Großfinanziers der Habsburger Kaiser aufstiegen, wuchs Augsburg zur reichsten Stadt des ausgehenden Mittelalters und zu einem Zentrum des Geisteslebens und der Künste heran. Deshalb fielen hier wohl auch die Ideen der Reformation auf fruchtbaren Boden. Nicht von ungefähr lieferte sich Martin Luther 1518 im Hause der Fugger seinen ersten Disput mit dem römischen Kardinal Cajetan. 1534 führte der Rat der Stadt dann offiziell die Reformation ein, und seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 ist Augsburg bikonfessionell. Im Zweiten Weltkrieg wurde Augsburg zu mehr als 70 % zerstört. Am Ende der Führung bewunderte die Gruppe das Rathaus mit dem prunkvollen "Goldenen Saal". Bevor es zum Mittagessen im Ratskeller ging, ließ es sich der Chor nicht nehmen, in der Kirche St. Peter am Perlachturm vor dem Gnadenbild der Maria Knotenlöserin, Ziel vieler Pilger aus Lateinamerika, u.a. den Kanon "Dona nobis pacem ..." anzustimmen.

Am Nachmittag stand eine weitere Führung durch das weitläufige Areal der im Jahr 1521 von Jakob Fugger dem Reichen errichteten Fuggerei auf dem Programm. Dabei handelt es sich um die älteste noch bestehende Sozialsiedlung der Welt in Form einer Stiftung mit einer noch heute gültigen Satzung. Sie bietet 150 bedürftigen Menschen, Augsburgern, die unverschuldet in Not geraten sind, 140 Wohnungen in 67 Häusern. Die jährliche Miete beträgt 0,88 €, die Mieter sind aber verpflichtet, täglich drei Gebete für den Stifter und seine Familie zu beten. Damit sollte deren Verweildauer im Fegefeuer verkürzt werden - welch ein raffiniertes Investment eines Finanzgenies! Danach ging es schon wieder heimwärts. Ein gemeinsames Abendessen rundete einen erlebnisreichen und perfekt organisierten Tag ab, der die Chorgemeinschaft stärkte und zum Besuch der kommenden Proben - jeweils donnerstags um 19:45 Uhr im Gemeindehaus Zum Guten Hirten in Bissingen - motivierte. Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen.